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Mui-Hotel besetzt
Freitagnacht wurde das Mui-Hotel in der Budapester Straße vorübergehend besetzt. Dazu erreichte uns diese Presseerklärung der neuen Initiative "Leerstand in unser`Hand!"
Ungefragte öffentliche Belebung des Mui-Hotels in der Budapester Straße
In der vergangenen Nacht kam es auf St. Pauli zu einer temporären „öffentlichen Belebung" des Mui-Hotels in der Budapester Straße. AktivistInnen der neugegründeten Initiative „Leerstand in unser`Hand!“öffneten das Gebäude und hängten gut sichtbar ein Transparent an die Fassade des Hauses: „Zu schön um leer zu sein. Für ein Recht auf Wohnraum.“ In den frühen Morgenstunden verließen die AktivistInnen wieder das Haus. Übrig blieb das Transparent an der Hausfassade, so dass auch die am Nachmittag eintrudelnden Fans des FC St. Pauli noch über die Aktion informiert wurden.
Wohnungsnot in Hamburg
Das Mui-Hotel steht seit mehr als zehn Jahren leer. Mit diesem Schicksal steht es in Hamburg jedoch keineswegs allein dar. Mehr als 1,2 Millionen Quadratmeter Büroflächen stehen leer und in den nächsten zwei Jahren werden noch einmal 600.000 Quadratmeter in neuen Immobilien dazukommen.
Gleichzeitig gibt es in den innenstadtnahen Wohnvierteln einen akuten Mangel an Wohnraum. Schaut man genau hin, sind die Symptome dessen an jeder Ecke wahrnehmbar. So sind beispielsweise die Mieten auf St. Pauli zwischen 2005 und 2009 um 27,7% gestiegen; viele Hamburgerinnen und Hamburger geben nahezu 50% ihres gesamten Nettoeinkommens für ihr Zuhause aus. Parallel dazu wird der soziale Wohnungsbau immer weiter zurückgefahren (die Zahl der Sozialwohnungen sank von über 150.000 (2000) auf rund 105.000 (2007)), so dass sich mittlerweile auf jedes Angebot der SAGA-GWG 120 Wohnungssuchende bewerben.
Die Politik verschließt die Augen
Wie verhält sich die städtische Politik dazu? Sie setzt diesen Entwicklungen nicht nur nichts entgegen, sondern warnt gar vor einem „hektischem Gegensteuern“ (Hajduk). An dieser Stelle fragt die Politik nicht danach, ob eine stadtentwicklungspolitische Idee bzw. Maßnahme für das Viertel und die dort lebenden Menschen sinnvoll erscheint. Vielmehr wird danach gefragt, ob das Vorgeschlagene der ökonomischen Logik des Wachstums – der Effizienz – zuträglich ist. Moralische und soziale Erwägungen werden vermieden und sich auf die Kriterien von Gewinn und Verlust beschränkt. Wer dabei keine Kaufkraft vorzuweisen hat, gilt für die Politik als nicht mehr relevant.
Wohnungsleerstände kennzeichnen und Aktionen machen
Da wir davon ausgehen, dass die Verdrängung bestimmter Bevölkerungsgruppen aus den innenstadtnahen Vierteln ungebremst weiter vorangetrieben wird, kündigen wir hiermit eine Reihe von unkonventionellen Aktionsformen des Protests an. Wir fordern eine Wohnungspolitik, die sich an den Bedürfnissen der MieterInnen und Wohnungssuchenden orientiert.
Am 4. September findet das Straßenfest im Schanzenpark unter dem Tenor „Für die Aneignung des öffentlichen Raumes! Gegen Repression und Vertreibungspolitik!“ statt. Wir begrüßen diesen Aufruf ausdrücklich, da auch wir der Überzeugung sind, dass städtischer Raum zu einem Gemeingut werden muss, so dass diejenigen über den Wohnraum verfügen können, die diesen auch nutzen.
Für ein Recht auf Wohnraum! Für eine lebenswerte Stadt!
„Leerstand in unser`Hand!“ 28.08.2010
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