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Holger Stanislawski im Kerker der leeren Seelen - oder- Kalte Muschi Reloaded!?

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Ergriff mich gestern im Stadion, auf Grund der bombastischen Kulisse, das ein oder andere Mal die Gänsehaut, wich dieser positive Erstliga Eindruck heute morgen einem Grenzgefühl zwischen Ekel und dieser Art von Lachen, welches einem im Halse stecken bleibt. Die erste Liga hat auch Schattenseiten und die spürte heute vor allem unser Trainer, dem es vor lauter emotionaler Kälte auch etwas zu frösteln schien. Zur besten Frühstückszeit eingekerkert mit einem Haufen grenzdebiler Analysten? -- der Sonntag hat besseres zu bieten als einen Gastauftritt bei Doppelpass.

Dieses fragwürdige journalistische Produkt, des zwischen Sport und Low Budget Pornos pendelnden Senders SPORT 1, ist dann doch mehr Produkt als journalistisch. Der Untertitel "Die Krombacher Runde" liefert erste Hinweise, die Umbennung während der Fußball WM 2010 (in "Funny Frisch WM Talk") würde juristisch schon als Beweis taugen und entblößt eine Perversion in der Medienlandschaft, die sonst nur der Feder hochtalentierter Zyniker, wie der des Schriftstellers David Foster Wallace, entspringt. Das Format der Sendung ist wohl ein Blick in die Zukunft, eine Zukunft in der uns im laufenden Spiel Elfmeter von Schokoriegeln, direkte Freistöße von Brauereien und passive Abseitsentscheidungen vom Innenministerium präsentiert werden. Die oberste Devise der Sendung ist die Präsentation. Bei Doppelpass gibt es keine Rubrik die nicht präsentiert wird, geradezu zwanghaft wird alles und jeder von irgendwem präsentiert. Das einzige Element der Sendung, welches unter chronischem Präsenzmangel leidet ist der Journalismus.

Aufmerksame Doppelpass-Gucker wittern jetzt schlechte Recherche meinerseits, denn die Rubrik "Schwarz auf Weiß" wird nicht durch Werbung eingeleitet. Diese Rubrik wirbt von innen heraus, verschleiert unter dem Deckmantel der Satire und in Sache Niveau so lustig wie Thomas Gottschalk nach 90 verbrauchten Sendeminuten. Es ist schwerlich erklärbar wieso volle 2 Minuten dafür verbraucht werden ein Fan Getränk vor zu stellen, welches keines ist. Selbst ein schlechter Journalist hätte dies mit mangelhafter Recherche erkannt. Ein Versuch dieses Getränk im Stadion, im Fanladen, in einer der diversen Fankneipen oder gar im Fanshop zu erwerben, hätte auf Grund der Nichtexistenz dieses Gebräus, in den eben beschriebenen Einrichtungen, jeden drittklassigen Volontär ins Reich der Nachdenklichkeit gestürzt. Erklärbar ist dieser Beitrag nur mit der Annahme, dass bei Sport 1 keine Redakteure arbeiten sondern Menschen die sich Rubriken ausdenken, für die sie Einzahlungen von Produktanbietern erhalten.

Letztendlich ist es selbstverständlich nicht beweisbar, ob Kalte Muschi für diese gewinnbringende Vermarktungsaktion Geld überwiesen hat oder die Doppelpass Redakteure einfach unmotiviert darin sind ihre Arbeit korrekt zu erledigen. Der Blick in die erheiterten Analystengesichter, nach Ende des aggressiv schlechten Einspielers, beweist dafür, dass Fussballfans von Fussballfernsehsendern so wenig Ernst genommen werden, dass diese denken man könne ihnen jede, vom Leben leer gesaugte, menschliche Hülle als Experten verkaufen. Würde Jörg Wontorra an Stelle des Phrasenschweins das Sexistenschwein mit Geld füttern müssen- der Beitrag und die anschließende Erheiterung hätten mindestens 10.000€ gekostet. Nach Ende dieser, nicht als Werbung gekennzeichneten, Werbung taten sich nur in Holger Stanislawskis Augen große Fragezeichen auf. War da nicht was?

Stanislawski scheint ein höflicher Mensch zu sein, denn er umkurvte das Thema geschickt. Er trinke lieber Kaffee und interessiere sich für solche Getränke nicht. Das jedoch Elf Freunde FankultJesus Philip Köster dieses Elend einfach kommentarlos über sich ergehen ließ und sich danach noch, trotz vieler Worte wenig aufschlussreich, an einer Diskussion um Ausverkauf im Fußball beteiligte ist mehr als schwach und stellt die längst überfällige Frage nach seiner Glaubwürdigkeit. In einer Sendung, die keine 5 Minuten ohne Werbung auskommt und in der die Gäste zum Abschluss mit Blick in die Kamera an einem Krombacher Weizen nippen, über Kommerz im Fußball zu diskutieren ist zu gleichen Teilen erheiternd und bedrückend.

Eine Frage bleibt noch. Wer verbirgt sich hinter dem St. Pauli Fanclub Asbach Ultras? Wer immer ihr auch seid, es gibt genug Projekte im In- und Ausland die auf Spenden angewiesen sind. Geld hilft diesen Projekten auch ohne vorher öffentlich durch die Hände von Jörg Wontorra geglitten zu sein. Somit reiht sich auch das Spendenkonzept übergangsfrei in das Gesamtkonzept ein. Monetäre Beiträge bewirken ein wenig Aufmerksamkeit. Weniger Asbach mehr Ultra kann ich da nur als Tip geben. Und jetzt nochmal das wichtige: Kalte Muschi ist kein Fangetränk. Es ist ein dummes Getränk für dumme Menschen. Es ist auch nicht lustig sondern respektlos und unhöflich. Und noch wichtiger: Jeder der diesen Sport liebt kann das nachholen, was Philip Köster versäumt hat. Den Mund aufmachen und die Wahrheit sagen.

Kommentare

Groszartig!

"Kalte Muschi ist kein Fangetränk. Es ist ein dummes Getränk für dumme Menschen. Es ist auch nicht lustig, sondern respektlos und unhöflich." Das Komma is geschenkt. Ick liebe Dir

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