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Fette-Mieten-Party im Schanzenviertel. Ein Bericht vom 30. August

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Am Montag, 30. August, trafen sich bereits zum vierten Mal Wohnungssuchende und AktivistInnen aus dem Recht-auf-Stadt-Netzwerk, um mit einer improvisierten Party während einer öffentlichen Wohnungsbesichtigung auf steigende Mieten, Mietwucher und den akuten Wohnungsmangel in Hamburg aufmerksam zu machen. Erstmals am 29. April hatte die Initiative "Recht auf Wohnraum" zu einer Wohnungsbesichtigung im Karolinenviertel aufgerufen – ein voller Erfolg! Die Mopo berichtete über die Aktion und immer mehr Leute fragten bei der Initiative an, wann wieder eine Aktion stattfinden soll. Nachdem der Vermieter beim letzten Partyobjekt in der Langenfelder Straße die Miete im Nachgang um 110,- Euro absenkte, zeichnet sich ab, dass die "Recht auf Wohnraum" sogar Einfluss auf den Wohnungsmarkt ausüben kann.

Dieses Mal hatte die Initiative als Treffpunkt die Kneipe "Fritz Bauch" auserkoren, nur wenige Meter entfernt von dem ausgewählten Objekt in der Bartelsstraße 76. Immerhin 565,- Euro netto kalt sollte die zwischen Eisenbahngleisen und Altonaer Straße gelegene kleine 47qm-Wohnung im roten Backsteinhaus kosten. Trotzdem standen bereits eine Menge überwiegend junger InteressentInnen vor dem Haus bereit. Ausgerüstet mit Masken, Konfetti, einem Musikrucksack und ein paar Flaschen Sekt näherten sich leise die etwa 40 Fette-Mieten-AktivistInnen um 17.15 Uhr der im Internet öffentlich angekündigten Wohnungsbesichtigung.

Zuvor hatte es noch einige Tipps an alle TeilnehmerInnen gegeben: "Los geht es, wenn die Musik erklingt" und "Zieht die Masken erst in der Bude an". Als es dann los ging, klappte alles wie am Schnürchen. Nach außen noch äußerst unberührt wirkend nahm der Makler die ersten Töne von "Our house" von Madness zur Kenntnis und war sichtlich bemüht, gute Miene zum lustigen Spiel zu machen. Als jedoch immer mehr Menschen in die Wohnung strömten, verlor er kurzfristig den Überblick, eilte aus dem Haus, und bat – wie sich später herausstellte – sogar die Polizei um Hilfe.

Drinnen dagegen näherte sich die Stimmung dem Höhepunkt. Fast schon Engtanz mussten die Protagonisten auf dem frischen Parkett bei lauter Musik hinlegen, Sekt floss in Strömen und die Tanzenden, Feiernden, aber auch die "normalen" WohnungsbesucherInnen waren bester Stimmung. Nach nicht einmal 20 Minuten war der "Spuk" schon wieder vorbei. Während sich der Makler vor der Tür noch von der Überraschung erholte und auf die Schnelle der Reportermeute einige Interviews servierte, wurden vor der Tür noch einige Erinnerungsfotos mit Masken und Protestfächern geschossen und die Passanten über den Sinn der Aktion informiert.

Während die Partymenge sich schon auf dem Nachhauseweg befand, versuchte die herbeigeeilte Polizei wahllos Menschen im Schanzenviertel zu kontrollieren. Ein Verhalten, das wenige Tage vor dem Schanzenfest im Viertel sicherlich nicht unbedingt zur Imageverbesserung, sondern eher der Imagepflege der Polizei diente.

Wie krass die Mieten in den letzten Jahren angestiegen sind, können vielleicht ein paar Zahlen verdeutlichen: Allgemein stiegen die Mieten in Hamburg von 8 auf heute 10,25 Euro pro Quadratmeter an, allein auf St. Pauli dabei um 28 %! Wohnungen unter 10 Euro/qm netto kalt sind kaum noch zu bekommen. Dabei beträgt der Leerstand an Büroflächen in ganz Hamburg momentan 1,17 Mio. Quadratmeter! Diese Entwicklung zeigt, wie nötig politische Aktionen, aber auch rechtliche Schritte gegen die Mietsteigerung sind. Der Hamburger Mieterverein "Mieter helfen Mietern" führt derzeit eine Kampagne gegen den Leerstand von Wohnungen durch und hat dabei 23 leerstehende Wohnungen im Schanzenviertel und Umgebung angezeigt. Bleibt zu hoffen, dass der Spiegel in seinem Bericht über die "Fette-Mieten-Party" recht behält: "Die Zeiten, in denen sich Deutschlands Wohnungssuchende brav in die Schlange stellen, sind vorbei."

Aktuelles zur Initiative "Recht auf Wohnraum": http://twitter.com/fettemieten_hh

Kontakt: droitaulogement@gmx.de

Alle Fotos: Tina Fritsche

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