Supra #4 gibt´s in folgenden Läden:

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Buchhandlung, Schulterblatt 55
Brasserie Raval, Neuer Kamp 9
Subvert Store, Neuer Pferdemarkt 32
Lockengelöt, Wohlwillstraße 20
KunstKiosk, Paul-Roosen-Straße 5
TT hoch 3, Beim Grünen Jäger 10
St. Pauli-Archiv, Wohlwillstr. 28
Strips & Stories, Seilerstrasse 40
Heinrich Heine Buchhandlung, Grindelallee 26
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Es is a Trauerspiel
Ich weiß ja gar nicht wo ich anfangen soll und wie das wohl alles endet? Ich war auf der Vorstellung der Ergebnisse des kooperativen Gutachterverfahrens zur Nutzung der Alten Rindermarkthalle, welche wir auch als Wal Mart oder Real kennen. Ich werde mit dem positiven beginnen. Ich habe neue Ausdrücke gelernt. Herr Böttcher von der CDU nannte das Areal der Alten Rinderhalle ein "Filetstück".
Ich möchte das gerne direkt recyclen und anmerken, dass mein persönliches verbales Filetstück am heutigen Abend nicht etwas das Filetstück war, sondern der Begriff "attraktive Durchwegung", welcher der Vorstellung des Architekturentwurfs von André Poitiers entsprang. Wie viele Menschen mit einem Apostroph im Vornamen, war auch Herr Poitiers sich zu Schade dafür die Drecksarbeit selbst zu erledigen. An seiner Stelle stellten sich zwei verunsicherte Mitarbeiterinnen dem Gepöbel im Saal und präsentierten das Gewinnobjekt, welches auf signifikante Weise entblößte, welche planungspolitischen Fehler das Projekt seit Beginn durchziehen. Eine attraktive Durchwegung ist schließlich genau das, was unserem Viertel fehlt. Wir werden ja alle mal älter und wünschen uns vielleicht irgendwann mit einer vertrauten Person durch die Gegend zu spazieren und sagen zu können "Werner, findest du nicht auch, dass das eine furchtbar attraktive Durchwegung ist?". Das ausgerechnet Poitiers Entwurf diesen Mangel zu kompensieren versucht ist kein Wunder, hat der Mann doch mit chirurgischer Präzision auch die beiden anderen Missstände der Umgebung frei gelegt: Außengastronomie und Flohmarkt. Herr Poitiers die Mangelerscheinung die das Fehlen dieser Einrichtungen verursacht macht uns krank und ihnen gehört unser Dank, wenn wir bald davon befreit werden. Wie Poitiers und seine Mitarbeiter zur Begehung der Fläche angereist sind wurde nicht beantwortet. Sie scheinen jedoch mit dem Auto gefahren zu sein, denn mit Verweis auf die Station Feldstraße fiel der Begriff S-Bahn mehrfach.
Ich sträube mich vor dem Wort peinlich, aber für diesen Vortrag fehlt mir eine präzisere Vokabel die das Elend skizzieren kann. Wobei man sagen muss, dass die Tatsache, dass diese stümperhafte und geradezu lächerlich groteske Arbeit mit einem Preis prämiert wurde, viel peinlicher ist, als die Arbeit selber. Besser gefiel da schon Architekt Martin Murphy. Das lag aber weniger an seiner Arbeit, als viel mehr daran, dass er , wenn vielleicht auch unfreiwillig, einige Dinge ans Tageslicht beförderte, die Bezirksamtsleiter Markus Schreiber ein paar Schweißtropfen kosteten. Er sei kein Politiker, sagte Murphy, er sei auch kein Anwohner. Er sei Architekt und könne seine Arbeit nur nach dem gestalten was ihm vorgegeben wird. Sein Entwurf beinhalte die Ergebnisse aus den Workshops mit Anwohnern, sowie die Vorgabe einer Music Hall. Die sei ja ausdrücklich vorgegeben gewesen. Weil Schreiber aber 5 Minuten vorher, auf Grund der vehementen Zurufe aus dem Publikum sagte "Wir können die Music Hall auch weglassen", war Murphy sichtlich irritiert.
Es war ein grotesker Abend in dem die Verantwortlichen sich um die Wette Soziogrammten. Begonnen hatte Moderator Markus Birzer. Er stellte ein paar harmlose Fragen und forderte die Zuschauer auf sich zu erheben wenn sie die Frage mit Ja beantworten würden. Das ganze nannte Er Soziogram. Nach ein paar Fragen zum Thema Rindermarkthalle folgte die Frage wer St.Pauli Fan sei. Für Befürworter von Stehplatzstadien, war es eine der wenigen Möglichkeiten Sympathien für sitzende St.Pauli Fans zu entwickeln. Im späteren Verlauf folgten weitere Versuche, in denen die mit Mikrofonen ausgestattete Zunft diese "Reise nach Rom" als demokratisch wertvolles Auswertungsverfahren zu etablieren versuchte. In mir weckte das Szenario die Erinnerung an Kindergeburtstage. Der Lächerlichkeit gab sich dann Herr Böttcher von der CDU preis, als er ein Soziogramm darüber anfertigen wollte ob die Mehrzahl der Leute für einen Abriss oder einen Erhalt des Gebäudes sei. Ich selber habe nicht studiert, aber mein rein privates Studium wissenschaftlicher Publikationen hat mich gelehrt, was eine wissenschaftliche Untersuchung, was eine demokratische Abstimmung und was ein Klatschometer ist. Dass Herr Böttcher einen Doktortitel besitzt hält ihn offensichtlich nicht davon ab eine Meinungsforschung mit einer Methode durchführen zu wollen, die selbst bei der Klassensprecherwahl in der Primarstufe als unseriös gilt.
Bevor ich euch langweile, möchte ich das Resumee dieses Abends, der unterhalterische Züge trug für die die britische Comedy Gruppe Monthy Python einiges an Arbeit hätte investieren müssen, ziehen. Der größte Hampelmann im Schreckenskabinett Bezirk Mitte ist wohl Bezirksleiter Markus Schreiber. Eine Figur tragischen Ausmaßes die die Abgründe des Schmierentheaters "Stadtplanung" brilliant verkörpert. Zu Beginn beschwerte sich Schreiber, dass man ihn auf der vorangegangenen Versammlung gar nicht zu Wort kommen ließ. Weil er aber ein Musterdemokrat sondergleichen ist, lässt er sich davon nicht abschrecken und lädt erneut zum Dialog. Wie er so einen Dialog auslegt zeigte er dann auch gleich, als das Publikum aufgefordert wurde Fragen zu stellen. Statt den Menschen zu zu hören quatschte er die ganze Zeit mit seinen Kollegen und gab dann halbgare Antworten, die nur halb gar seien konnten, weil der Mann sich gar keine Zeit ließ sich die Fragen überhaupt anzuhören. War er nicht mit ausufernden Gesprächen beschäftigt, sah er mal aus als würde auf den Bus warten, mal blickte er zu Boden und ließ eine Mimik erkennen, wie sie Leute zeigen, die gerade probieren den Geschmack einer exotischen Schokoladensorte neurologisch zu verarbeiten. Angucken konnte er die Menschen nicht. Ob man so ein Verhalten als positives Dialogmerkmal vermerken kann, muss der Mann sich selber überlegen. Taktisch unklug war es in jedem Fall. Denn wer sich auf einer eigens dafür einberufenen Versammlung nicht mal die Zeit nimmt, die Sorgen und Fragen der Bürger aufzunehmen und zu verarbeiten, der darf sich auch nicht wundern, wenn die Leute sich verarscht fühlen.
Wie dieser Katastrophenabend endete, kann ich nicht sagen, denn kurz vor Beginn des dritten Aktes musste ich das Trauerspiel verlassen. Es ging einfach nicht mehr.
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